Tag 6 Wutachschlucht – Hochfirst

Gegen 5:00 Uhr war die Nacht rum und auch meine Luftmatratze wieder leer. Das Einräumen und Zusammenpacken dauerte wieder etwa 1 Stunde, sodass ich gegen 6 Uhr abmarschbereit war. Es ging wie immer den Berg hoch und gegen 7:15 Uhr erreichte ich die Schattenmühle.

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Viele Autos parkten auf dem hauseigenen Parkplatz, also musste das Hotel gut belegt sein. Ich suchte nach dem Eingang, musste dazu aber das ganze Haus umrunden. Dort angekommen stellte ich zu meinem Leidwesen fest, dass aus meinem Frühstück nichts werden würde. Das Hotel öffnete erst um 8 Uhr und so lange wollte ich nicht warten.

Also – ohne Frühstück weiter in der Wutachschlucht. Übrigens ein Teil der Wutachschlucht, den ich noch nicht kannte. Bisher waren wir meist von der Schattenmühle zur Wutachmühle durch die Schlucht gewandert. Letztes Jahr lernte ich das östliche Ende der Wutachschlucht das „Wutachflühen“ bei meinem Ostweg kennen. Jetzt sollte ich den westlichen Teil, mit dem Zusammenfluss der Quellflüsse Gutach und Haslach kennenlernen.

Aber zuerst ging es mal ans Treppensteigen. Gleich bei der Schattenmühle muss man einige Höhenmeter über eine Treppe überwinden. Später gelangt man dann ans Räuberschlössle, eine Felsformation die wohl in frühere Zeit von dunklen Gesellen als Stützpunkt genutzt wurde.


Das Flusskraftwerk Stallegg macht sich deutlich schon vorzeitig durch sein lautes Geräusch bemerkbar und erst spät sieht man das Wasser aus dem gestauten Becken über den Rand nach unten stürzen.
Der Wanderweg verläuft mal entlang des Flussbettes, aber manchmal auch hoch über die Felsen, sodass man immer am Auf- und Absteigen ist.

Die Rotenbachmündung lädt zum Verweilen ein. Es ist ein idyllisches Stück an dem man gerne eine Pause einlegt, bevor es über einen Steg und Felsen wieder aufwärts geht. An dieser Stelle komme ich mit zwei Wanderpaaren ins Gespräch. Ein Paar traf ich schon vorher mal und sie erzählten mir dass Sie hier in der Nähe wohnten und eine Rundwanderung bei diesem schönen Wetter unternehmen würden. Das andere Paar – Horst und Karin – waren auf dem Schluchtensteig unterwegs und sind nach der Übernachtung in der Schattenmühle heute morgen auf die nächste Etappe gestartet.

Langsam kommt der Weg aus der Schlucht heraus und steigt weiter stetig an, bis ich den Ort Kappel, der verwaltungstechnisch zu Lenzkirch gehört, erreiche.

Bis zur Ankunft in Kappel hatte sich das bisher schöne Wetterbild stark gewandelt. Es bauten sich zu Mittagszeit starke Gewittertürme auf und ich begann mir Sorgen zu machen ob ich mein Ziel, den Hochfirst noch erreichen würde.

Mein Bierdurst war schon wieder sehr stark gestiegen, so dass ich im erst besten Hotel/Restaurant am Ortseingang mich in den Garten setzte und ein Weizenbier bestellte. Ob ich etwas essen möchte und ja ich wünschte die Karte. Ja, Karte gäbe es nicht, ich könnte dies oder das bekommen. Eigenartig – aber ich entschied mich für den Salat mit Hühnchenfleisch. Das Bier in der Flasche kam und es schmeckte komisch, ich schaute auf das Etikett und das Bier war 02/17 abgelaufen. Nach meiner Reklamation bekam ich mit einer Entschuldigung ein neues Bier, dieses Mal aber ohne Flasche!?!

Den Salat der dann noch gebracht wurde, konnte ich nach einer entsprechenden Nachwürzung einigermaßen genießen.

Ich bezahlte recht schnell und beim Weiterlaufen und den Blicken zum Himmel überlegte ich hin und her und hatte schon den Entschluss gefasst, bevor der Wolkenbruch über mir hereinbrechen würde, eine Unterkunft mit Dusche und Abendessen zu suchen. Wenn ich es nicht mehr zum Hochfirst schaffen sollte, dann könne das eben auch schon hier in Kappel sein.

Das einzige Gasthaus an dem ich noch vorbeikam – Gasthof Blume –  hatte aber leider keine Zimmer, sondern war wirklich nur ein Gasthaus, in dem es aber verführerisch nach Spätzle und Braten roch, wie in einer gut bürgerlichen Gaststätte. Schade!

Als ich das Gasthaus wieder verlassen hatte und an der nächsten Kreuzung meinen Weg hoch Richtung Hochfirst einschlug, begann es mit großen Tropfen zu regnen. Ich holte meinen Schirm heraus und lief weiter und suchte links und rechts der Straße nach einem sicheren Unterstand. Ein paar Meter weiter war ein überdachter Stellplatz für Landmaschinen. Dorthin rettete ich mich vor dem beginnenden Unwetter.
Über der Straße sah ich an einem Hof einen Mann und rief im zu, ob ich hier unterstehen könnte. Er meinte kein Problem aber ich könne auch zu ihm unters Hausdach kommen, das wäre sicherer. Also nahm ich natürlich gerne das Angebot an und blieb dort bis der Regen etwas nachließ. Die Leute waren sehr freundlich und haben mir frisches Wasser angeboten, wofür ich mich bedankte.
Nach etwa einer halben Stunde hatte ich den Eindruck, dass ich mich jetzt wieder auf meinen Weg wagen konnte und verabschiedete mich.
Durch nasse Felder und über matschige Wege stieg ich jetzt weiter auf Richtung Hochfirst.
Der Weg zog sich noch ziemlich dahin. Vorbei am Franzosenkreuz und später dem Hierabrunnen – eine schöne Schutzhütte mit eigenem Brunnen – lief ich dann wieder auf einem Teilstück des Mittelweges, den ich ja schon von 2015 kannte. Gegen 16:30 Uhr sah ich den Turm des Hochfirsts und dann auch das Berggasthaus Hochfirst und hoffte, dass ich ein Bett bekommen konnte.

Ich trat in die Gaststube und sah den Wirt Reiner Ullrich wie üblich am Tisch neben dem Ausschank sitzen.

95078810Ich sagte: Es ist wie beim letzten Mal, ich weiß ich hätte reservieren sollen, aber ich hatte in der Wutachschlucht keinen Empfang! Ob ich trotzdem wieder ein Zimmer bekommen könnte, fragte ich ihn und da es der Tag von Sonntag auf Montag war, hoffte ich, dass nicht mehr so viele Gäste hier bleiben würden und so war es dann auch. Ich bekam mein Zimmer, ging mich duschen und kehrte später zurück um gemütlich zu Abend zu essen

und noch ein paar Minuten die Aussicht vom Hochfirst-Turm über den Titisee zum Hochschwarzwald, vor allem dem Feldberg zu genießen.

Das Bett, in das ich mich später nach zwei Viertel Riesling fallen ließ, war eine Wohltat – vor allem war nach 2 Stunden nicht die Luft raus! 😉

 

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