Tag 4 Engen – Blumberg

Nach einer ruhigen Nacht mit erschöpftem Schlaf wache ich relativ früh auf. Ich liege in der Nähe des Arboretum von Engen im Wald. Ich packe meine Sachen und mein Zelt zusammen und mach mich auf den Weg.
500 Meter später, so am Waldrand steht eine Bank und ich denke mir so, das wäre ein guter Platz um mal etwas zu Essen zu kochen.
Ich packe also mein Kochzeug aus dem Rucksack, fülle Wasser in den Kocher und starte den Gaskocher. Ein paar meter weiter, etwas den Berg runter, beobachte ich eine Frau mit einem großen Hund, die wohl einen Morgenspaziergang macht.
Die Nudel kommen in das kochende Wasser und müssen jetzt noch 4 Minuten ziehen, dann bekomme ich endlich wieder etwas Warmes in den Bauch. Ok – nicht das Standard-Frühstück, aber das ist beim Fernwandern nicht so wichtig, zumindest mir nicht! Hauptsache der Körper bekommt wieder ein paar Kohlehydrate und kann dadurch wieder Leistung erbringen.

Ich bin gerade fertig mit Essen und schon wieder am Aufräumen, steht plötzlich ein großer Hund neben meiner Bank. Dann erscheint auch das „Frauchen“ dazu. Ich sage guten Morgen und frage, ob Sie das vor ein paar Minuten unterhalb auf dem Weg gewesen sei. Sie bestätigt und meinte, dass Sie hier ganz in der Nähe wohnt und immer mit dem Hund so eine Strecke läuft. Ich erzähle ihr, wo ich herkomme und wo ich hin will. Wir unterhalten uns ein wenig über Fernwandern und Sie will sich dann verabschieden. Spontan fällt mir ein: WASSER! Meine Wasservorräte sind durch die Kocherei etwas geschrumpft und wann die nächste Quelle kommt, weiß ich im Moment nicht genau. Also frag ich sie, ob sie hier in der Nähe wohnt und ob ich evtl. meine Wasserflaschen auffüllen könnte. Sie sagt sofort, dass das kein Problem wäre und dass es nur ein paar Meter um die nächste Ecke sei. Ich dankte sofort für die Hilfsbereitschaft und sie ergänzte sogar noch, dass ich auch gern einen Kaffee bekommen könne. Das Angebot hab ich natürlich sofort und gern angenommen. Sie schnappte meine Wasserflasche und lief schon mal vor, der Hund aber blieb noch bei mir. Den Rucksack geschultert folgte ich ihr nach kurzer Zeit und der Hund ging ziemlich genau bei Fuß neben mir her. Er bewachte mich wohl oder wollte er mir den Weg zeigen? Nach 100 oder 200 m zweigte der Weg von meinem Hauptweg ab und ein Schild zeigte Richtung „Aspenhof„, so hieß der Hof wo das freundliche „Frauchen“ wohnte.

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Dort auf dem Anwesen angekommen, fand ich im Hof neben dem Haus eine überdachte Laube mit Tisch und Stühlen, wo man gut und gern zu sechst oder acht gemütlich zusammen sitzen konnte. Ich setzte meinen Rucksack ab und begann ein wenig neugierig den Hof, die Gebäude und den Stall zu erkunden. Meine „Wasserspenderin“ war im Haus und kümmerte sich wohl um den Kaffee.


Der Aspenhof ist anscheinend ein ehemaliger Bauernhof, aber in den Ställen waren keine Tiere, sondern einige vermutlich ziemlich alte OLDTIMER, so wie ich mich erinnere, aber noch nicht alle restauriert. Der Besitzer war wohl ein Oldtimer-Freund und hatte vermutlich noch einige Arbeit vor sich, diese Uralt-Fahrzeuge wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Zurück bei der Laube saß mein Bewacher, wie ich später erfahre heißt er (oder sie) KAJU neben meinem Rucksack im Schatten der Laube. Dann kam meine freundliche „Morgenbekanntschaft“ aus dem Haus und brachte auf einem Tablett  Kaffee und Zucker und Milch.
Wir unterhalten uns eine Weile über das Wandern und sie erzählt, dass Sie auch mit einigen Freundinnen Touren in den Bergen unternimmt. Dann sagte sie noch, dass man auf dem Aspenhof auch übernachten könne und dass ab und zu Wanderer die den Querweg laufen hier auf dem Hof für eine Nacht bleiben. Ich frage ob ich eine Karte bekommen könnte mit Telefon-Nr. und nachdem sie mir diese Daten ausgehändigt hatte, dankte ich sehr für die freundliche Bewirtung  und wünschte einen guten Tag.

Nach wenigen Metern war ich vom Aspenhof zurück auf dem Querweg und folgte ab jetzt wieder meinem Wegzeichen, der weiß-roten Raute auf gelbem Grund.

Etwas weiter kommen mir zwei Wanderer entgegen, die dem Weg seit Lenzkirch folgen. Für sie ist es ein Teilstück des E1, den sie schon von Pforzheim bis hierher gelaufen sind.

Herrliche Aussichten auf den Hegau gibt es immer wieder von Zeit zu Zeit, aber der Weg führt auch über die Felder in der prallen Sonne und er bietet selten einen schattigen Platz wie zum Beispiel an der alten Posthütte, wo man sich im Schatten erholen konnte.

Wieder einige Meter weiter kommen drei Hunde auf mich zu, Gottseidank an den langen Leinen einer Frau. Sie hat die drei Vierbeiner offensichtlich gut unter Kontrolle, was man nicht immer bei allen Hundebesitzern feststellen kann. Wir plaudern ein paar Minuten über Hundeerziehung und Hundebesitzer bevor ich meinen Weg weiter wandere.

Einige km später gelangte ich nach Riedöschingen. Ein Hungergefühl beschlich mich schon seit geraumer Zeit und ich hoffte auf ein Gasthaus, wo ich etwas essen konnte. Gleich nach dem Ortseingang sah es gut aus und ich glaubte mein Ziel erreicht. Gasthaus – und sogar geöffnet – wie ich erkennen konnte. Ich trat in die Schankstube ein und drinnen war es dunkel und kühl. Das tat gut. Wenn jetzt auch noch die Speisekarte stimmte, dann wäre ich sehr zufrieden.

Ich war der einzige Gast. Ein ältere Frau kam hinter dem Tresen hervor und ich fragte nach der Karte. Sie sagte das Gasthaus mit Bäckerei würde seit einiger Zeit nur noch als Cafe geführt und sie hätten keine Karte mehr. Sie können mir aber Kuchen oder Käse- oder Wurstbrötchen anbieten. Spontan fragte ich nach Wurstsalat und sie bestätigte, dass sie das auch machen könne. Schön – ein Kompromis – also bestellte ich 1 Cola, 1 Weizenbier und einen Wurtstsalat und ließ mir das alles in dem kühlen alten Gasthaus munden.

Nachdem ich bezahlt hatte, schritt ich durch den dunklen langen Gang auf die Eingangstür zu, öffnete sie und die gleisende Sonne knallte wieder auf mich herunter. Jetzt ging es wieder den Berg hoch, Richtung Wald.

Endlich konnte ich wieder im Schatten laufen und das blieb auch so, bis ich zum kleinen Ort Randen kam und danach auch noch bis nach Blumberg. Bevor ich dort den Buchberg bestieg, hatte ich noch einen kurzen Blick auf die Sauschwänzlebahn

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die sich gerade dampfend über ein Viadukt vorwärts bewegte.

Schon war ich wieder im Wald und es ging erneut bergan. Auf dem höchsten Punkt des Berges, es war der Buchberg wie ich später feststellte, suchte ich eine Stelle für mein Lager und fand es ziemlich in einem Waldstück mit viel Bärlauch.

Da ließ ich mich nieder, bereitete mein Zelt und alles was dazu gehört für die Nacht vor und legte mich dann später hin.

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Nach den obligatorischen Betätigungen wie Notizbuch schreiben, Wetterkarte schauen und Etappe für morgen lesen, bereitete ich mich für die Nacht vor und legte mich hin. So langsam nahm ich den Bärlauchgeruch als immer intensiver war und ich kann sagen, dass ich am nächsten Morgen sehr froh war, diesen Wald und den Bärlauchduft endlich verlassen zu können.

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