Tag 3 Singen am Hohentwiel – Engen

Trotzdem ich wusste, dass ich bis zur Geschäftsöffnung in Singen nicht so lange unterwegs sein würde und ich deshalb etwas länger schlafen könnte, weckten mich die Vögel und der Verkehrslärm recht früh. Also drückte ich mich noch eine Weile in meinem Schlafsack rum und hielt es aber nicht mehr lange aus.

 

Also stand ich auf – begann meine Hygiene- und meine Einpackprozedur – und als ich damit fertig war und überprüft hatte, ob auch nichts mehr im Umkreis von meinem Lagerplatz liegen blieb, startete ich meinen kurzen Marsch in die Stadt Singen am Hohentwiel.

Als ich so durch die ruhige Stadt schlenderte, überlegte ich mir, was ich so lange bis zur Geschäftsöffnungszeit machen könnte. Da ein Schild zum Bahnhof zeigte, dachte ich ein Kaffee und eine Brezel mit Butter im Bahnhof wäre jetzt auch nicht schlecht.

Nach wenigen Minuten war ich dort angekommen und drinnen im Verkaufsbereich war ein Bäcker mit Tischen und Bänken und dort war sogar noch Platz frei. Also holte ich mir einen Kaffee, eine kühle Cola und noch eine Butterbrezel. Ich setzte mich an einen Tisch und saß kaum, als eine große Gruppe mit Wanderern ebenfalls zum Kaffeefassen herein kam. Einige von Ihnen fanden nur noch an Stehtischen Platz. So konnte ich mein Frühstück in Ruhe und bequem sitzend genießen. Mein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich mich so langsam Richtung Sportgeschäft auf den Weg machen konnte. Es war glaube ich viertel vor 9. Am Bahngleis entlang, über die Hauptstraße weg, hinein in die Fußgängerzone, lenkte mich mein Navi. Das Geschäft war noch geschlossen aber es war kurz vor neun. Ich fotografierte ein Denkmal (oder war es

ein Brunnen?) von dem berühmten Bildhauer Peter Lenk, das mitten auf einem Platz in Singen stand. So langsam wunderte ich mich über die Ruhe so kurz vor Geschäftsöffnungszeit. Dann hörte ich den Sound von meinem Smartphone, wenn eine SMS oder eine WhatsApp-Nachricht ankommt. Ich dachte, ich schau mal geschwind rein, wer wohl was von mir möchte. Dann las ich, etwas erstaunt. „Hallo DAD! Alles Liebe und Gute zum Vatertag!“ hatte meine Tochter geschrieben. Und im gleichen Moment viel es mir wie Schuppen von den Augen: heute ist Christi Himmelfahrt, Vatertag – FEIERTAG!
Heut würde kein Geschäft aufmachen und ich habe umsonst gewartet und zwei Stunden Wanderzeit an der kühleren Luft verschwendet. Langsam fand ich mich mit dem Gedanken ab, dass ich mit der defekten Luftmatratze meine Wanderung fortsetzen musste, denn bis Freiburg würde keine Stadt mehr kommen, wo ich ein Sportgeschäft finden würde. Ja das sind Schicksalsschläge! 😉

Ich lief also durch die ruhige, feiertagleere Fußgängerzone. Nach wenigen Minuten war ich wieder auf der „Spur“. Meine Navi-App zeigte mir Übereinstimmung mit meiner Planstrecke und durch den Stadtgarten ging es Richtung Hausberg von Singen, den Hohentwiel. Wenn ich den Kopf hob, konnte ich schon die Festung, die oben auf dem Berg trohnt erkennen aber gleichzeitig auch, dass ich da noch ganz schön viel Höhenmeter erklimmen musste.

Der Weg führte mich Richtung Hohentwiel vorbei am MAC Museum Art & Cars. Dort versammelten sich einige Oldtimer Porsche zum vermutlich Vatertagsausflug.

Für mich ging es einen Gottseidank überwiegen schattigen aber steilen Pfad hinauf Richtung Festung. Beim Restaurant Hohentwiel wurden gerade die Bierbänke aufgestellt und gerichtet. Ich fragte, ob ich ein Weizenbier bekommen könnte, weil mir die Hitze und die Anstrengung den Berg hoch doch schon ordentlich zu schaffen machte. Als der Kellner mir das Bier brachte, sagte ich ihm dass ich mir gerade überlege ob ich den Abstecher auf die Burg überhaupt machen soll. Er meinte nur, wenn Sie es jetzt nicht machen, wo so wenige Touristen gerade da oben sind, wann dann? Ein besserer Zeitpunkt als so früh am Morgen an einem so herrlichen Tag würde nicht kommen. Da hatte er mich! Also bezahlte ich mein Bier ging zur Kasse, die im Haus gegenüber war, holte meine Eintrittskarte und machte mich auf die 1,5 km bis zum Festungseingang. Beim dritten Einschub konnte der Kartenleser am Drehkreuz meine Karte endlich erkennen und ich begann den weiteren Anstieg der mich direkt in die Festung bringen sollte. Dort oben setzte ich mich auf eine Mauer in den Schatten eines Baumes

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wo ich über das Land bis zum Bodensee schauen konnte. Es war wirklich ein göttlicher Anblick und ein erhebendes Gefühl diese schöne Landschaft zu sehen. Ich nahm mir ein paar Minuten Zeit, fotografierte und filmte ein wenig und packte dann meinen Rucksack wieder um vom 690 m hohen Berg Hohentwiel wieder abzusteigen.

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Ein paar Minuten später dachte ich eine Abkürzung zu nehmen, wenn ich kurzfristig einer anderen Wegmarkierung folge, leider entpuppte sich das als Irrtum und zur Korrektur hätte ich wieder etwas zurücklaufen müssen. So übernahm ich kurzfristig die Navigation selbst und orientierte mich an der groben Gesamtrichtung bis ich nach gut einer Stunde wieder auf meinen eigentlichen geplanten und mit der weiß-roten Raute beschilderten Weg gelangte.

Heute standen noch mehrere Burgen auf dem Plan, die nächste war die Burg Hohenkrähen.

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Ich lief ab dort über Felder ohne Sonnenschutz und die Sonne brannte vom Himmel herab so dass es mir ziemlich warm wurde. Wenn nicht ab und zu ein schwacher Wind über das Land geweht hätte, wäre es nicht auszuhalten gewesen. Viele Wanderer, vor allem männliche, waren unterwegs. Manche mit Bollerwagen, wie üblich am Vatertag.

Die nächste Burg auf meiner Strecke wird eigentlich auch nicht bestiegen, wenn man den Querweg läuft. Der Weg führt daran vorbei. Aber ich wollte irgendwo mal ein Essen zu mir nehmen und dachte mir, es wäre eine gute Idee, das mit einer schönen Aussicht zu genießen. Also hoch auf den Mägdeberg auf 654 m. Die Scharen die mir schon am Anstieg entgegenkamen, waren vermutlich vom davorliegenden Parkplatz gekommen. Es standen dort nämlich ziemlich viele Fahrzeuge. In der Burg selber waren mehrere Familien mit Kinder und auch sonstige Wanderer anwesend und hatten sogar ein Lagerfeuer zum Würstelgrillen angezündet. Also alles in allem es war viel Spektakel da oben und dann kamen noch 6 oder 7 sogenannten „Väter“ mit ihrem Bierbollerwagen und einem laut dröhnenden „Ghettoblaster“. Da sie den obersten Platz in der Burg erreichen wollten um sich dort niederzulassen um zu trinken, mussten 4 oder 5 Mann den Bollerwagen samt Bierinhalt über eine Leiter auf die nächste Ebene hiefen, aber noch waren sie ja relativ nüchtern und das gelang auch ganz gut.

Die Wanderer und die Besucher die dort oben schon vorher waren, um die Aussicht zu genießen, machten sich ebenso wie ich auf die Socken, um von diesem lauten Fleck weg zu kommen. Ich verzog mich an die gegenüberliegende Burgenmauer in den Schatten und kochte mir endlich meine verdient Nudelsuppe, zu der ich wieder die noch vorhandenen Minisalami vesperte.

Nach diesem mittäglichen Intermezzo startet ich den Abstieg von der Burg und konnte ein paar Minuten später wieder in einen schattigen Wald am Berghang eintauchen.

Dann aber ging es wieder kilometerweit über Felder, Äcker und Wiesen

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bis nach Weiterdingen. Dort im Ort fragte ich einen Anwohner ob es hier ein Lokal gäbe, das heute geöffnet hat. Er schickte mich zwei Straßen weiter und im Cafe Lander (oder Lander’s Stube) gönnte ich mir dann ein Cola und ein Weizenbier. Die Kinder des Wirtspaares fragten mich zu meiner Ausrüstung und zu meinem schweren Rucksack und als ich mich wieder zum Abmarsch bereit machte konnte ich noch meine Wasserflaschen mit frischem Wasser füllen. Ich bedankte mich herzlich und verabschiedete mich und die Kinder begleiteten mich noch bis vors Haus um meinen Abmarsch zu beobachten.

Nun ging es wieder raus in die Gluthitze und die nächste Kilometer bis Engen waren kein Zuckerschlecken. Bei Engen wollte ich mir wieder einen Platz für die Nacht suchen und so kam es dass ich Engen noch durchquerte und mich aus dem Ort die Straße hoch Richtung Waldrand orientierte. Kurz vor dem Waldrand traf ich zwei Wanderer wie ich

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mit großen schweren Rucksäcken und ich fragte sie ob Sie den Querweg laufen würden. Sie bejahten und wir kamen so ein wenig ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die zwei aus der Nähe von Karlsruhe waren und in Freiburg auf den Weg gestartet sind. Es war nett endlich mal mit „Gleichgesinnten“ etwas zu plaudern. Nach einigen Minuten trennten wir uns wieder und ich fand auch bald darauf ein schönes Plätzchen im Wald für mein Nachtlager.

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Großes Abendessen gab es nicht – ein Schokoriegel, ein paar Nüsse und Minisalami waren das Nachtmenü. Als die Hitze endlich nachließ konnte ich wohl einschlafen, aber wie schon gehabt, alle 2 Stunden ungefähr musste die Luftmatratze wieder aufgeblasen werden, obwohl ich mir extra ein weiches Fleckchen ausgesucht und versucht habe alle Tannenzapfen oder sonstige Unebenheiten vorher zu entfernen.

29 km hatte ich heute geschafft. Eine gute Leistung finde ich bei diesen Temperaturen.

 

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