Tag 2 Langenrain – Singen am Hohentwiel

Etwa um 5:30 Uhr wurde ich wach. Bis ich meine sieben Sachen zusammengepackt hatte zeigte die Uhr 6:38. Rucksack geschultert und los ging es. Das Gras war noch feucht vom Tau, die Sonne blitzte durch die Baumwipfel. Einige hundert Meter weiter hörte ich das Geräusch einer Maschine, eines Fahrzeugs? Genau konnte ich es nicht ausmachen. Mein Waldweg ging plötzlich über in einen gepflegten Fußweg mit feinem Schotterbelag. Die Rasenfläche rechts und links sah aus wie auf einem Golfplatz, und da sah ich auch schon den „Geräuscheverursacher“ Es war ein Mann, der auf einem großen Rasenmäher sitzend, den Rasen auf dem nächsten Grün stutzte. Wie ich einige Minuten später feststellen sollte, führte mein Querweg durch die Golfanlage des Konstanzer Golfclubs.

Mittlerweile war ich 21,5 km seit meinem Start in Konstanz gelaufen. Vom Golfplatz führte der Weg jetzt weiter zum Mindelsee. Nach 6 km fand ich oberhalb des Sees eine Sitzbank, wo ich eine Pause einlegte und weil sich so langsam bei mir ein Hungergefühl entwickelt hatte, warf ich meinen Gaskocher an, erhitzte das Wasser und kochte mir eine Portion Instant-Nudeln. Die Sättigung und der herrliche Ausblick an diesem sonnigen Tag versetzt mich in eine wohltuende Stimmung, sodass ich nach der Pause frohen Mutes meinen Weg fortsetzte. Es waren von hier noch 20 km bis Singen.

Vorher jedoch gab es noch einige Herausforderungen für mich, die mich so langsam daran gewöhnen sollten, den Weg nicht zu leicht zu nehmen.
In einem der nächsten Orte, es war glaube ich Stahringen, gab es an der Hauptstraße einen Brunnen wo ich meine 2 Flaschen mit frischem Wasser auffüllen konnte. 2 Liter frisches Wasser sind gut, aber auch 2 kg schwer. Und kurz nach dem Brunnen begann der steile Anstieg auf die Burg Homburg. Der Anstieg war zwar größtenteils im Schatten, aber die Temperaturen waren schon ziemlich in die Höhe gestiegen und es kostete mich viel Schweiß oben auf dem Aussichtspunkt der Burg endlich den genialen Rundblick genießen zu können.

Nachdem ich dort oben, mir ein paar Minuten den kühlen Wind um die Ohren hab wehen lassen, stieg ich wieder von meinem Aussichtspunkt herunter und holte meinen Rucksack,  den ich am Fuß der Treppe hatte liegen lassen um meinen Weg fort zu setzen.

Der Weg führte nach der Burg vorbei an ein paar Bauernhäusern und wurde dann zu einem asphaltierten Fahrweg dem ich nun folgen musste.

Mir fiel ein, dass heute mein Schwager Geburtstag hatte. Ein Blick auf das Display meines Smartphones zeigte mir, dass ich gerade Empfang hatte und so konnte ich meine Geburtstagsgrüße loswerden und gleichzeitig der Familie zuhause signalisieren, dass bei mir alles ok ist. Dann ging der Asphalt-Hatsch weiter bis nach Steißlingen.

Die Sonnenschirme und die gedeckten Tische darunter beim Gasthaus Lamm überzeugten mich, dass es jetzt Zeit wäre, für ein Cola und ein Weizenbier. Der Blick auf die Teller der Tischnachbarn verstärkt sofort mein Hungergefühl um das 3-fache und ich brauchte gar nicht lange in die Speisekarte schauen, um zu wissen, was ich zum Essen bestellen sollte. Nach „Schniposa“ stand mir sofort der Sinn. Für die, die dieses Gericht nicht kennen, SchniPoSa = Schnitzel, Pommes und Salat.

Nachdem ich noch vom Chef des Hauses ein Dessert spendiert bekommen hatte, beglich ich meine Zechschuld, ließ mir noch eine Visitenkarte des Gasthauses geben und machte mich wieder auf den Weg weiter Richtung Singen.

Kaum war ich in der Nähe von Singen, gelangte der Straßenlärm wieder an meine Ohren. 3 oder 4 km vor Singen musste ich die B 33 unterqueren und war froh danach wieder in den ruhigeren Wald eintauchen zu können.
Im Großen Tannenwald, kurz bevor der Weg den Stadtrand von Singen erreichte, fand ich abseits vom Weg einen Platz um dort meine Nacht zu verbringen.

Es folgte das immer gleiche Ritual des Zeltaufbaus und Nachtlagerbereitung. Doch diese kommende Nacht sollte nicht so harmonisch verlaufen.

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Es dauerte ziemlich lange, bis ich nach meinen Routineaufgaben endlich zur Ruhe kam. Denn ich hatte mir zwar einen Lagerplatz relativ nahe zur Stadt Singen ausgesucht, aber leider auch genau zwischen zwei Einfallstraßen in die Stadt und eine davon war sogar eine Bundesstraße die B 34. Das bescherte mir auch noch in der Nacht Fahrzeuglärm der ständig laut und wieder leiser wurde. Gut – dagegen hatte ich ja mein Hausmittel. Meine Ohrstöpsel sind immer griffbereit in einer Seitenablage meines Zeltes deponiert und heute brauchte ich sie auf jeden Fall.
Dann bin ich zwar endlich eingeschlafen, wurde aber mitten in der Nacht wach. Was mich geweckt hatte war mir gar nicht gleich klar. Erst als ich mich suchend umdrehen wollte, bemerkte ich dass ich auf dem harten Waldboden lag und Wurzeln spürte die vorher nicht da waren. Dann erst nahm ich wahr, dass die Luft aus meiner Luftmatratze entwichen war.
Ich wälzte mich von der Luftmatratze und begann sie wieder aufzublasen. Dann war alles wieder gut und ich schlief wieder ein. Aber – keine 2 Stunden später wurde ich wieder wach – und dasselbe Dilemma war passiert. Ich realisierte, dass ich ein Loch, zumindest ein winziges Leck in meiner Schlafunterlage hatte. Und – ich hab auch gleich gewusst, dass ich kein Reparaturkit dabei habe.

So begann jetzt die Grübelei, wie ich das Problem lösen könnte. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. So machte ich mir im Kopf den Plan, morgens zur Geschäfts-Öffnungszeit in Singen einzumarschieren, ein Sportgeschäft zu suchen und dort eine neue, wenn möglich bessere und – noch besser – eine leichtere Luftmatratze zu kaufen. Die Defekte wollte ich mit der Post nach Hause schicken. So war der Plan. Da ich in der Nähe einer Stadt war und auch Mobilfunknetz erreichbar war, aktivierte ich meinen Datenzugang und suchte im Internet bei Google ein Sportgeschäft, um die Öffnungszeiten feststellen zu können. Aus zwei Sportgeschäften wählte ich mir eines aus, stellte fest, dass es um 9 Uhr morgens öffnet und wo ich es in der Stadt finden konnte, fand ich auch heraus. Es hatte sogar den Vorteil, dass ich nicht weit von meinem Weg abweichen musste.

Nachdem dies alles geklärt war, konnte ich wieder an Weiterschlafen denken, nicht ohne vorher nochmal die Luftmatratze aufzublasen, die schon wieder etwas schwächelte. Ich musst am Morgen auch nicht so früh aufstehen, weil ich ja schon kurz vor der Stadt war und nicht lange brauchte ins Zentrum zu kommen.

Also döste ich noch eine Weile weg, bis dann die Nacht endgültig vorbei war.

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