Tag 7 Hochfirst – Freiburg

Der siebte Tag könnte auch der letzte Tag werden, obwohl es noch 40 km bis Freiburg sind. Der Wetterbericht für diesen Tag war nicht sehr positiv. Es musste mit Gewittern gerechnet werden und diese Vorhersage würde sich schon bald erfüllen.

Gegen 9 Uhr nach dem Frühstück im Berggasthaus Hochfirst

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bezahle ich meine Rechnung und setze mir meinen 14 kg schweren Rucksack auf die Schultern. Nun ging es los. Der Abstieg von 1190 m auf 845 m begann.

Bei solchen Abstiegen war ich froh, dass ich meine leichten aber dennoch sehr stabilen FIZAN compact Stöcke dabei hatte. Die halfen sehr die Belastung beim Abwärtsgehen von den Knieen auf die Arme zu verteilen.

Zum Titisee waren es 3,5 km und der Weg führte meistens durch einen Wald der Schatten spendete.
Am Ufer angelangt vereinigt sich der Querweg dieses Mal mit dem Westweg und führt zum Campingplatz am westlichen Ufer.

P1030042Dort am Kiosk des Campingplatzes hole ich mir eine Cola und setze mich ein wenig ans Ufer um etwas zu entspannen. Von nun an geht es nämlich wieder bergauf Richtung Hinterzarten. Bei diesem Anstieg hörte ich das erste Donnergrollen der angekündigten Gewitter. Gottseidank sah es in der Richtung in die ich gehen musste noch einigermaßen gut aus. Aber eben nicht mehr lange.

In Hinterzarten angekommen, erwischte mich schon der erste Gewitterschauer. Ich hatte zwar Glück dass es mich wohl nur am Rande erwischte, aber man ist eben sensibilisiert und schaut, dass man zügig weiterkommt.

Über den Piketfels und die Posthaldefelsen mit schöner Aussicht kommt man nach Nessellachen.

Danach hatte ich die Wahl mich für die kürzere Strecke nach Himmelreich zu entscheiden und dort die restlichen Kilometer in die Stadt Freiburg mit der Regionalbahn zurück zu legen oder das Risiko im Gewitterregen nach Freiburg laufen zu müssen.
In Anbetracht der Situation und der sich aufbauenden Gewitterwolken entschied ich mich für die sichere und etwas kürzere Option und lief zum Bahnhof nach Himmelreich.
Dort angekommen dauerte es nicht lange bis ein Zug Richtung Freiburg kam und in wenigen Minuten war ich im Hauptbahnhof Freiburg.
Ich besorgte mir eine Fahrkarte für meine Rückfahrt nach Pforzheim und gönnte mir bis zur Abfahrt noch ein Weizenbier.

P1030061Glücklich, dem Gewitter entgangen zu sein, setzte ich mich in mein Abteil und genoss die Rückfahrt über Karlsruhe nach Pforzheim.
 

Tag 6 Wutachschlucht – Hochfirst

Gegen 5:00 Uhr war die Nacht rum und auch meine Luftmatratze wieder leer. Das Einräumen und Zusammenpacken dauerte wieder etwa 1 Stunde, sodass ich gegen 6 Uhr abmarschbereit war. Es ging wie immer den Berg hoch und gegen 7:15 Uhr erreichte ich die Schattenmühle.

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Viele Autos parkten auf dem hauseigenen Parkplatz, also musste das Hotel gut belegt sein. Ich suchte nach dem Eingang, musste dazu aber das ganze Haus umrunden. Dort angekommen stellte ich zu meinem Leidwesen fest, dass aus meinem Frühstück nichts werden würde. Das Hotel öffnete erst um 8 Uhr und so lange wollte ich nicht warten.

Also – ohne Frühstück weiter in der Wutachschlucht. Übrigens ein Teil der Wutachschlucht, den ich noch nicht kannte. Bisher waren wir meist von der Schattenmühle zur Wutachmühle durch die Schlucht gewandert. Letztes Jahr lernte ich das östliche Ende der Wutachschlucht das „Wutachflühen“ bei meinem Ostweg kennen. Jetzt sollte ich den westlichen Teil, mit dem Zusammenfluss der Quellflüsse Gutach und Haslach kennenlernen.

Aber zuerst ging es mal ans Treppensteigen. Gleich bei der Schattenmühle muss man einige Höhenmeter über eine Treppe überwinden. Später gelangt man dann ans Räuberschlössle, eine Felsformation die wohl in frühere Zeit von dunklen Gesellen als Stützpunkt genutzt wurde.


Das Flusskraftwerk Stallegg macht sich deutlich schon vorzeitig durch sein lautes Geräusch bemerkbar und erst spät sieht man das Wasser aus dem gestauten Becken über den Rand nach unten stürzen.
Der Wanderweg verläuft mal entlang des Flussbettes, aber manchmal auch hoch über die Felsen, sodass man immer am Auf- und Absteigen ist.

Die Rotenbachmündung lädt zum Verweilen ein. Es ist ein idyllisches Stück an dem man gerne eine Pause einlegt, bevor es über einen Steg und Felsen wieder aufwärts geht. An dieser Stelle komme ich mit zwei Wanderpaaren ins Gespräch. Ein Paar traf ich schon vorher mal und sie erzählten mir dass Sie hier in der Nähe wohnten und eine Rundwanderung bei diesem schönen Wetter unternehmen würden. Das andere Paar – Horst und Karin – waren auf dem Schluchtensteig unterwegs und sind nach der Übernachtung in der Schattenmühle heute morgen auf die nächste Etappe gestartet.

Langsam kommt der Weg aus der Schlucht heraus und steigt weiter stetig an, bis ich den Ort Kappel, der verwaltungstechnisch zu Lenzkirch gehört, erreiche.

Bis zur Ankunft in Kappel hatte sich das bisher schöne Wetterbild stark gewandelt. Es bauten sich zu Mittagszeit starke Gewittertürme auf und ich begann mir Sorgen zu machen ob ich mein Ziel, den Hochfirst noch erreichen würde.

Mein Bierdurst war schon wieder sehr stark gestiegen, so dass ich im erst besten Hotel/Restaurant am Ortseingang mich in den Garten setzte und ein Weizenbier bestellte. Ob ich etwas essen möchte und ja ich wünschte die Karte. Ja, Karte gäbe es nicht, ich könnte dies oder das bekommen. Eigenartig – aber ich entschied mich für den Salat mit Hühnchenfleisch. Das Bier in der Flasche kam und es schmeckte komisch, ich schaute auf das Etikett und das Bier war 02/17 abgelaufen. Nach meiner Reklamation bekam ich mit einer Entschuldigung ein neues Bier, dieses Mal aber ohne Flasche!?!

Den Salat der dann noch gebracht wurde, konnte ich nach einer entsprechenden Nachwürzung einigermaßen genießen.

Ich bezahlte recht schnell und beim Weiterlaufen und den Blicken zum Himmel überlegte ich hin und her und hatte schon den Entschluss gefasst, bevor der Wolkenbruch über mir hereinbrechen würde, eine Unterkunft mit Dusche und Abendessen zu suchen. Wenn ich es nicht mehr zum Hochfirst schaffen sollte, dann könne das eben auch schon hier in Kappel sein.

Das einzige Gasthaus an dem ich noch vorbeikam – Gasthof Blume –  hatte aber leider keine Zimmer, sondern war wirklich nur ein Gasthaus, in dem es aber verführerisch nach Spätzle und Braten roch, wie in einer gut bürgerlichen Gaststätte. Schade!

Als ich das Gasthaus wieder verlassen hatte und an der nächsten Kreuzung meinen Weg hoch Richtung Hochfirst einschlug, begann es mit großen Tropfen zu regnen. Ich holte meinen Schirm heraus und lief weiter und suchte links und rechts der Straße nach einem sicheren Unterstand. Ein paar Meter weiter war ein überdachter Stellplatz für Landmaschinen. Dorthin rettete ich mich vor dem beginnenden Unwetter.
Über der Straße sah ich an einem Hof einen Mann und rief im zu, ob ich hier unterstehen könnte. Er meinte kein Problem aber ich könne auch zu ihm unters Hausdach kommen, das wäre sicherer. Also nahm ich natürlich gerne das Angebot an und blieb dort bis der Regen etwas nachließ. Die Leute waren sehr freundlich und haben mir frisches Wasser angeboten, wofür ich mich bedankte.
Nach etwa einer halben Stunde hatte ich den Eindruck, dass ich mich jetzt wieder auf meinen Weg wagen konnte und verabschiedete mich.
Durch nasse Felder und über matschige Wege stieg ich jetzt weiter auf Richtung Hochfirst.
Der Weg zog sich noch ziemlich dahin. Vorbei am Franzosenkreuz und später dem Hierabrunnen – eine schöne Schutzhütte mit eigenem Brunnen – lief ich dann wieder auf einem Teilstück des Mittelweges, den ich ja schon von 2015 kannte. Gegen 16:30 Uhr sah ich den Turm des Hochfirsts und dann auch das Berggasthaus Hochfirst und hoffte, dass ich ein Bett bekommen konnte.

Ich trat in die Gaststube und sah den Wirt Reiner Ullrich wie üblich am Tisch neben dem Ausschank sitzen.

95078810Ich sagte: Es ist wie beim letzten Mal, ich weiß ich hätte reservieren sollen, aber ich hatte in der Wutachschlucht keinen Empfang! Ob ich trotzdem wieder ein Zimmer bekommen könnte, fragte ich ihn und da es der Tag von Sonntag auf Montag war, hoffte ich, dass nicht mehr so viele Gäste hier bleiben würden und so war es dann auch. Ich bekam mein Zimmer, ging mich duschen und kehrte später zurück um gemütlich zu Abend zu essen

und noch ein paar Minuten die Aussicht vom Hochfirst-Turm über den Titisee zum Hochschwarzwald, vor allem dem Feldberg zu genießen.

Das Bett, in das ich mich später nach zwei Viertel Riesling fallen ließ, war eine Wohltat – vor allem war nach 2 Stunden nicht die Luft raus! 😉

 

Tag 5 Blumberg – Wutachschlucht Schattenmühle

Gegen 6:50 Uhr werde ich von den Sonnen die ihre Strahlen durch die Bäume schickt geweckt. Kurz vor 8 Uhr hab ich alles zusammengepackt und verlasse den stark nach Bärlauch riechenden Waldteil des Buchbergs.  Ich fand meinen Weg wieder und gelangte nach 10 Minuten an einen Aussichtspunkt mit der Buchberg-Hütte. Da hatten sich einige Wanderer für die Nacht niedergelassen, zum Teil in Zelten, zum Teil auch in Hängematten. Als ich dort aufkreuzte, schliefen manche noch, aber ein paar hatten sich auch schon bei der Tischgruppe zum Frühstück versammelt und alle bestaunten mich, weil ich um diese Zeit schon hier vorbei kam.
Ich sagte laut, dass sie sich nicht stören lassen sollen und gehe an den Rand des Platzes, wo der Aussichtspunkt einen sagenhaften Blick über den Hegau bietet.
Die Wanderer fragten mich über die Wegbeschaffenheit und zu Wasserquellen auf den nächsten Kilometern aus und ich gab bereitwillig Auskunft.
Einige Fotos bzw. Filmsequenzen nehme ich mit meiner Kamera auf und dann verabschiede ich mich von ihnen. Drei oder vier davon sollte ich nochmal bei der Wutachmühle kurz treffen.

Nun beginnt der Abstieg vom Buchberg auf schmalen Pfaden und vielen Serpentinen.

In Blumberg kam ich beim Bäcker vorbei und gönnte mir dort einen Kaffee mit Butterbrezel und noch eine Cola. Jetzt ging es nach weiter Richtung Achdorf nicht ohne vorher noch am Brunnen die Wasserflaschen zu füllen.

Die glühende Sonne erwartete mich. Und es dauerte nicht lange, da passierte ich eine Stelle, die mir irgendwie bekannt vorkam. Kein Wunder, es war ein Punkt ab dem der Querweg und der Ostweg zusammenlaufen. Solche Doppelwege sollte es noch öfter im Lauf meiner Wanderung geben. 3 Stunden später kehre ich in Achdorf in die Scheffellinde ein.

Ein Hotel mit Restaurant und Biergarten direkt an der Hauptstraße. Dort waren die Bedienungen gerade dabei, die Tische für den späteren Ansturm der Wander- und Urlaubsgäste vorzubereiten. Ich setzte mich im Biergarten an einen schattigen Tisch. Ein Coke und ein Weizenbier müssen jetzt sein! Dann meinte ich zur Bedienung, dass ich einen Heißhunger auf einen Salatteller hätte, aber leider die Küche noch nicht geöffnet sei. Sie hatte Erbarmen mit mir und sprach mit dem Küchenteam, sodass ich meinen Wunsch erfüllt bekam. Herrlich!

Gegen 11:40 Uhr wagte ich mich wieder ins Freie und setzte meinen „Sonnen-Hatsch“ zur Wutachmühle fort.

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Gegen 13 Uhr traf ich dort ein und war überrascht, dass dort Schirme und Bierbänke aufgebaut und mehrere Getränkeausschänke sowie Essensausgaben eingerichtet waren. Ich hatte erwartet, dass es bei der Wutachmühle nur ein Kiosk gäbe und so hatte ich das auch die letzten Male wo ich dort war vorgefunden.

Heute war irgendwie alles anders. Ich gönnte mir ein Radler und setzte mich zu Einheimischen an den Tisch. Die Erklärung für den Rummel war ganz einfach. Man erzählte mir, dass immer am Wochenende wo Christi Himmelfahrt ist von Donnerstag bis Sonntag ein Verein aus der Umgebung die Bewirtschaftung übernimmt und das schon die letzten 20 Jahre so war. Also deshalb hatte ich Glück. „Vatertag lässt grüßen!“

Nun stürzte ich mich also in das Abenteuer Wutachschlucht, und war neugierig wie ich mit den Wandermassen auf den Wegen klar kommen würde.

Aber es zeigte sich als gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Es verteilte sich sehr gut, die Wutachschlucht ist ja ziemlich ausgedehnt. Verschiedene Highlights musste ich natürlich filmen und fotografieren.

Meist stauten sich dort auch die Menschen ein wenig. Ich hatte im Nachhinein betrachtet den Vorteil, dass ich entgegen der Normalrichtung wanderte, so wurde ich als einzelner Wanderer meist vorbei gelassen und musst nicht eine ganze Gruppe abwarten oder wenn sie in meiner Richtung gelaufen wäre auch noch überholen.
Da es an diesem Tag auch wieder über 30 Grad hatte, war es auch in der Wutachschlucht, wo der Weg ja mal am Wasser aber manchmal auch in 30 Meter Höhe über dem Wasser an den Felsen entlang verläuft, sehr warm und ich hatte das Bedürfnis meine Füße ins kühle Wasser zu hängen.
Bei der Wutachversickerung, dort wo die riesige Felswand aus dem Wasser ragt, dachte ich wäre der richtig Platz um die Füße zu kühlen. Aber zu meiner Enttäuschung war das Wasser der Wutach an der Stelle gar nicht so kühl und ich zog nach kurzer Zeit wieder weiter.

Nun kam ich immer näher zu meinem geplanten Ziel – der Schattenmühle. Aber die Hitze und die Anstrenung durch die Schlucht machten mich ziemlich fertig. So entschloss ich mich, schon 2 km vorher, ungefähr an der Stelle wo gegenüber im Frühjahr ein ziemlich großer Bergrutsch stattfand, mein Zelt aufzubauen und mich erst mal hin zu legen. Ich war bis dato etwa 23 km gelaufen.

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Morgen stand der höchste Punkt der Tour auf meinem Plan, und ich dachte ein wenig Erholung vorher wäre nicht schlecht. Also war Ausruhen angesagt.

Morgen hatte ich etwa 20 km bis zum Hochfirst. Wie das Wetter sein würde, konnte ich leider nicht feststellen, weil es in der Wutachschlucht kein Mobilfunkempfang gab und ich so nicht telefonieren und auch nicht ins Internet konnte. Die Nacht zuvor hatte ich einen Moment wo ich nicht schlafen konnte und hab gegen 2:07 Uhr direkt bei Amazon ein Reparaturset für meine Luftmatratze bestellt. Ich hatte ja immer noch das Problem mit dem schleichenden Luftverlust meiner Schlafunterlage.

Als die Sonne sich so langsam aus der Schlucht verabschiedet und ich meine obligatorischen Aufgaben erledigt hatte, legte ich mich also zur Ruhe und dachte darüber nach, dass ich morgen früh in der Schattenmühle bestimmt ein Frühstück bekommen werde. Mit diesen Gedanken schlief ich ein.

Tag 4 Engen – Blumberg

Nach einer ruhigen Nacht mit erschöpftem Schlaf wache ich relativ früh auf. Ich liege in der Nähe des Arboretum von Engen im Wald. Ich packe meine Sachen und mein Zelt zusammen und mach mich auf den Weg.
500 Meter später, so am Waldrand steht eine Bank und ich denke mir so, das wäre ein guter Platz um mal etwas zu Essen zu kochen.
Ich packe also mein Kochzeug aus dem Rucksack, fülle Wasser in den Kocher und starte den Gaskocher. Ein paar meter weiter, etwas den Berg runter, beobachte ich eine Frau mit einem großen Hund, die wohl einen Morgenspaziergang macht.
Die Nudel kommen in das kochende Wasser und müssen jetzt noch 4 Minuten ziehen, dann bekomme ich endlich wieder etwas Warmes in den Bauch. Ok – nicht das Standard-Frühstück, aber das ist beim Fernwandern nicht so wichtig, zumindest mir nicht! Hauptsache der Körper bekommt wieder ein paar Kohlehydrate und kann dadurch wieder Leistung erbringen.

Ich bin gerade fertig mit Essen und schon wieder am Aufräumen, steht plötzlich ein großer Hund neben meiner Bank. Dann erscheint auch das „Frauchen“ dazu. Ich sage guten Morgen und frage, ob Sie das vor ein paar Minuten unterhalb auf dem Weg gewesen sei. Sie bestätigt und meinte, dass Sie hier ganz in der Nähe wohnt und immer mit dem Hund so eine Strecke läuft. Ich erzähle ihr, wo ich herkomme und wo ich hin will. Wir unterhalten uns ein wenig über Fernwandern und Sie will sich dann verabschieden. Spontan fällt mir ein: WASSER! Meine Wasservorräte sind durch die Kocherei etwas geschrumpft und wann die nächste Quelle kommt, weiß ich im Moment nicht genau. Also frag ich sie, ob sie hier in der Nähe wohnt und ob ich evtl. meine Wasserflaschen auffüllen könnte. Sie sagt sofort, dass das kein Problem wäre und dass es nur ein paar Meter um die nächste Ecke sei. Ich dankte sofort für die Hilfsbereitschaft und sie ergänzte sogar noch, dass ich auch gern einen Kaffee bekommen könne. Das Angebot hab ich natürlich sofort und gern angenommen. Sie schnappte meine Wasserflasche und lief schon mal vor, der Hund aber blieb noch bei mir. Den Rucksack geschultert folgte ich ihr nach kurzer Zeit und der Hund ging ziemlich genau bei Fuß neben mir her. Er bewachte mich wohl oder wollte er mir den Weg zeigen? Nach 100 oder 200 m zweigte der Weg von meinem Hauptweg ab und ein Schild zeigte Richtung „Aspenhof„, so hieß der Hof wo das freundliche „Frauchen“ wohnte.

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Dort auf dem Anwesen angekommen, fand ich im Hof neben dem Haus eine überdachte Laube mit Tisch und Stühlen, wo man gut und gern zu sechst oder acht gemütlich zusammen sitzen konnte. Ich setzte meinen Rucksack ab und begann ein wenig neugierig den Hof, die Gebäude und den Stall zu erkunden. Meine „Wasserspenderin“ war im Haus und kümmerte sich wohl um den Kaffee.


Der Aspenhof ist anscheinend ein ehemaliger Bauernhof, aber in den Ställen waren keine Tiere, sondern einige vermutlich ziemlich alte OLDTIMER, so wie ich mich erinnere, aber noch nicht alle restauriert. Der Besitzer war wohl ein Oldtimer-Freund und hatte vermutlich noch einige Arbeit vor sich, diese Uralt-Fahrzeuge wieder in einen vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Zurück bei der Laube saß mein Bewacher, wie ich später erfahre heißt er (oder sie) KAJU neben meinem Rucksack im Schatten der Laube. Dann kam meine freundliche „Morgenbekanntschaft“ aus dem Haus und brachte auf einem Tablett  Kaffee und Zucker und Milch.
Wir unterhalten uns eine Weile über das Wandern und sie erzählt, dass Sie auch mit einigen Freundinnen Touren in den Bergen unternimmt. Dann sagte sie noch, dass man auf dem Aspenhof auch übernachten könne und dass ab und zu Wanderer die den Querweg laufen hier auf dem Hof für eine Nacht bleiben. Ich frage ob ich eine Karte bekommen könnte mit Telefon-Nr. und nachdem sie mir diese Daten ausgehändigt hatte, dankte ich sehr für die freundliche Bewirtung  und wünschte einen guten Tag.

Nach wenigen Metern war ich vom Aspenhof zurück auf dem Querweg und folgte ab jetzt wieder meinem Wegzeichen, der weiß-roten Raute auf gelbem Grund.

Etwas weiter kommen mir zwei Wanderer entgegen, die dem Weg seit Lenzkirch folgen. Für sie ist es ein Teilstück des E1, den sie schon von Pforzheim bis hierher gelaufen sind.

Herrliche Aussichten auf den Hegau gibt es immer wieder von Zeit zu Zeit, aber der Weg führt auch über die Felder in der prallen Sonne und er bietet selten einen schattigen Platz wie zum Beispiel an der alten Posthütte, wo man sich im Schatten erholen konnte.

Wieder einige Meter weiter kommen drei Hunde auf mich zu, Gottseidank an den langen Leinen einer Frau. Sie hat die drei Vierbeiner offensichtlich gut unter Kontrolle, was man nicht immer bei allen Hundebesitzern feststellen kann. Wir plaudern ein paar Minuten über Hundeerziehung und Hundebesitzer bevor ich meinen Weg weiter wandere.

Einige km später gelangte ich nach Riedöschingen. Ein Hungergefühl beschlich mich schon seit geraumer Zeit und ich hoffte auf ein Gasthaus, wo ich etwas essen konnte. Gleich nach dem Ortseingang sah es gut aus und ich glaubte mein Ziel erreicht. Gasthaus – und sogar geöffnet – wie ich erkennen konnte. Ich trat in die Schankstube ein und drinnen war es dunkel und kühl. Das tat gut. Wenn jetzt auch noch die Speisekarte stimmte, dann wäre ich sehr zufrieden.

Ich war der einzige Gast. Ein ältere Frau kam hinter dem Tresen hervor und ich fragte nach der Karte. Sie sagte das Gasthaus mit Bäckerei würde seit einiger Zeit nur noch als Cafe geführt und sie hätten keine Karte mehr. Sie können mir aber Kuchen oder Käse- oder Wurstbrötchen anbieten. Spontan fragte ich nach Wurstsalat und sie bestätigte, dass sie das auch machen könne. Schön – ein Kompromis – also bestellte ich 1 Cola, 1 Weizenbier und einen Wurtstsalat und ließ mir das alles in dem kühlen alten Gasthaus munden.

Nachdem ich bezahlt hatte, schritt ich durch den dunklen langen Gang auf die Eingangstür zu, öffnete sie und die gleisende Sonne knallte wieder auf mich herunter. Jetzt ging es wieder den Berg hoch, Richtung Wald.

Endlich konnte ich wieder im Schatten laufen und das blieb auch so, bis ich zum kleinen Ort Randen kam und danach auch noch bis nach Blumberg. Bevor ich dort den Buchberg bestieg, hatte ich noch einen kurzen Blick auf die Sauschwänzlebahn

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die sich gerade dampfend über ein Viadukt vorwärts bewegte.

Schon war ich wieder im Wald und es ging erneut bergan. Auf dem höchsten Punkt des Berges, es war der Buchberg wie ich später feststellte, suchte ich eine Stelle für mein Lager und fand es ziemlich in einem Waldstück mit viel Bärlauch.

Da ließ ich mich nieder, bereitete mein Zelt und alles was dazu gehört für die Nacht vor und legte mich dann später hin.

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Nach den obligatorischen Betätigungen wie Notizbuch schreiben, Wetterkarte schauen und Etappe für morgen lesen, bereitete ich mich für die Nacht vor und legte mich hin. So langsam nahm ich den Bärlauchgeruch als immer intensiver war und ich kann sagen, dass ich am nächsten Morgen sehr froh war, diesen Wald und den Bärlauchduft endlich verlassen zu können.

Tag 3 Singen am Hohentwiel – Engen

Trotzdem ich wusste, dass ich bis zur Geschäftsöffnung in Singen nicht so lange unterwegs sein würde und ich deshalb etwas länger schlafen könnte, weckten mich die Vögel und der Verkehrslärm recht früh. Also drückte ich mich noch eine Weile in meinem Schlafsack rum und hielt es aber nicht mehr lange aus.

 

Also stand ich auf – begann meine Hygiene- und meine Einpackprozedur – und als ich damit fertig war und überprüft hatte, ob auch nichts mehr im Umkreis von meinem Lagerplatz liegen blieb, startete ich meinen kurzen Marsch in die Stadt Singen am Hohentwiel.

Als ich so durch die ruhige Stadt schlenderte, überlegte ich mir, was ich so lange bis zur Geschäftsöffnungszeit machen könnte. Da ein Schild zum Bahnhof zeigte, dachte ich ein Kaffee und eine Brezel mit Butter im Bahnhof wäre jetzt auch nicht schlecht.

Nach wenigen Minuten war ich dort angekommen und drinnen im Verkaufsbereich war ein Bäcker mit Tischen und Bänken und dort war sogar noch Platz frei. Also holte ich mir einen Kaffee, eine kühle Cola und noch eine Butterbrezel. Ich setzte mich an einen Tisch und saß kaum, als eine große Gruppe mit Wanderern ebenfalls zum Kaffeefassen herein kam. Einige von Ihnen fanden nur noch an Stehtischen Platz. So konnte ich mein Frühstück in Ruhe und bequem sitzend genießen. Mein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich mich so langsam Richtung Sportgeschäft auf den Weg machen konnte. Es war glaube ich viertel vor 9. Am Bahngleis entlang, über die Hauptstraße weg, hinein in die Fußgängerzone, lenkte mich mein Navi. Das Geschäft war noch geschlossen aber es war kurz vor neun. Ich fotografierte ein Denkmal (oder war es

ein Brunnen?) von dem berühmten Bildhauer Peter Lenk, das mitten auf einem Platz in Singen stand. So langsam wunderte ich mich über die Ruhe so kurz vor Geschäftsöffnungszeit. Dann hörte ich den Sound von meinem Smartphone, wenn eine SMS oder eine WhatsApp-Nachricht ankommt. Ich dachte, ich schau mal geschwind rein, wer wohl was von mir möchte. Dann las ich, etwas erstaunt. „Hallo DAD! Alles Liebe und Gute zum Vatertag!“ hatte meine Tochter geschrieben. Und im gleichen Moment viel es mir wie Schuppen von den Augen: heute ist Christi Himmelfahrt, Vatertag – FEIERTAG!
Heut würde kein Geschäft aufmachen und ich habe umsonst gewartet und zwei Stunden Wanderzeit an der kühleren Luft verschwendet. Langsam fand ich mich mit dem Gedanken ab, dass ich mit der defekten Luftmatratze meine Wanderung fortsetzen musste, denn bis Freiburg würde keine Stadt mehr kommen, wo ich ein Sportgeschäft finden würde. Ja das sind Schicksalsschläge! 😉

Ich lief also durch die ruhige, feiertagleere Fußgängerzone. Nach wenigen Minuten war ich wieder auf der „Spur“. Meine Navi-App zeigte mir Übereinstimmung mit meiner Planstrecke und durch den Stadtgarten ging es Richtung Hausberg von Singen, den Hohentwiel. Wenn ich den Kopf hob, konnte ich schon die Festung, die oben auf dem Berg trohnt erkennen aber gleichzeitig auch, dass ich da noch ganz schön viel Höhenmeter erklimmen musste.

Der Weg führte mich Richtung Hohentwiel vorbei am MAC Museum Art & Cars. Dort versammelten sich einige Oldtimer Porsche zum vermutlich Vatertagsausflug.

Für mich ging es einen Gottseidank überwiegen schattigen aber steilen Pfad hinauf Richtung Festung. Beim Restaurant Hohentwiel wurden gerade die Bierbänke aufgestellt und gerichtet. Ich fragte, ob ich ein Weizenbier bekommen könnte, weil mir die Hitze und die Anstrengung den Berg hoch doch schon ordentlich zu schaffen machte. Als der Kellner mir das Bier brachte, sagte ich ihm dass ich mir gerade überlege ob ich den Abstecher auf die Burg überhaupt machen soll. Er meinte nur, wenn Sie es jetzt nicht machen, wo so wenige Touristen gerade da oben sind, wann dann? Ein besserer Zeitpunkt als so früh am Morgen an einem so herrlichen Tag würde nicht kommen. Da hatte er mich! Also bezahlte ich mein Bier ging zur Kasse, die im Haus gegenüber war, holte meine Eintrittskarte und machte mich auf die 1,5 km bis zum Festungseingang. Beim dritten Einschub konnte der Kartenleser am Drehkreuz meine Karte endlich erkennen und ich begann den weiteren Anstieg der mich direkt in die Festung bringen sollte. Dort oben setzte ich mich auf eine Mauer in den Schatten eines Baumes

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wo ich über das Land bis zum Bodensee schauen konnte. Es war wirklich ein göttlicher Anblick und ein erhebendes Gefühl diese schöne Landschaft zu sehen. Ich nahm mir ein paar Minuten Zeit, fotografierte und filmte ein wenig und packte dann meinen Rucksack wieder um vom 690 m hohen Berg Hohentwiel wieder abzusteigen.

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Ein paar Minuten später dachte ich eine Abkürzung zu nehmen, wenn ich kurzfristig einer anderen Wegmarkierung folge, leider entpuppte sich das als Irrtum und zur Korrektur hätte ich wieder etwas zurücklaufen müssen. So übernahm ich kurzfristig die Navigation selbst und orientierte mich an der groben Gesamtrichtung bis ich nach gut einer Stunde wieder auf meinen eigentlichen geplanten und mit der weiß-roten Raute beschilderten Weg gelangte.

Heute standen noch mehrere Burgen auf dem Plan, die nächste war die Burg Hohenkrähen.

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Ich lief ab dort über Felder ohne Sonnenschutz und die Sonne brannte vom Himmel herab so dass es mir ziemlich warm wurde. Wenn nicht ab und zu ein schwacher Wind über das Land geweht hätte, wäre es nicht auszuhalten gewesen. Viele Wanderer, vor allem männliche, waren unterwegs. Manche mit Bollerwagen, wie üblich am Vatertag.

Die nächste Burg auf meiner Strecke wird eigentlich auch nicht bestiegen, wenn man den Querweg läuft. Der Weg führt daran vorbei. Aber ich wollte irgendwo mal ein Essen zu mir nehmen und dachte mir, es wäre eine gute Idee, das mit einer schönen Aussicht zu genießen. Also hoch auf den Mägdeberg auf 654 m. Die Scharen die mir schon am Anstieg entgegenkamen, waren vermutlich vom davorliegenden Parkplatz gekommen. Es standen dort nämlich ziemlich viele Fahrzeuge. In der Burg selber waren mehrere Familien mit Kinder und auch sonstige Wanderer anwesend und hatten sogar ein Lagerfeuer zum Würstelgrillen angezündet. Also alles in allem es war viel Spektakel da oben und dann kamen noch 6 oder 7 sogenannten „Väter“ mit ihrem Bierbollerwagen und einem laut dröhnenden „Ghettoblaster“. Da sie den obersten Platz in der Burg erreichen wollten um sich dort niederzulassen um zu trinken, mussten 4 oder 5 Mann den Bollerwagen samt Bierinhalt über eine Leiter auf die nächste Ebene hiefen, aber noch waren sie ja relativ nüchtern und das gelang auch ganz gut.

Die Wanderer und die Besucher die dort oben schon vorher waren, um die Aussicht zu genießen, machten sich ebenso wie ich auf die Socken, um von diesem lauten Fleck weg zu kommen. Ich verzog mich an die gegenüberliegende Burgenmauer in den Schatten und kochte mir endlich meine verdient Nudelsuppe, zu der ich wieder die noch vorhandenen Minisalami vesperte.

Nach diesem mittäglichen Intermezzo startet ich den Abstieg von der Burg und konnte ein paar Minuten später wieder in einen schattigen Wald am Berghang eintauchen.

Dann aber ging es wieder kilometerweit über Felder, Äcker und Wiesen

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bis nach Weiterdingen. Dort im Ort fragte ich einen Anwohner ob es hier ein Lokal gäbe, das heute geöffnet hat. Er schickte mich zwei Straßen weiter und im Cafe Lander (oder Lander’s Stube) gönnte ich mir dann ein Cola und ein Weizenbier. Die Kinder des Wirtspaares fragten mich zu meiner Ausrüstung und zu meinem schweren Rucksack und als ich mich wieder zum Abmarsch bereit machte konnte ich noch meine Wasserflaschen mit frischem Wasser füllen. Ich bedankte mich herzlich und verabschiedete mich und die Kinder begleiteten mich noch bis vors Haus um meinen Abmarsch zu beobachten.

Nun ging es wieder raus in die Gluthitze und die nächste Kilometer bis Engen waren kein Zuckerschlecken. Bei Engen wollte ich mir wieder einen Platz für die Nacht suchen und so kam es dass ich Engen noch durchquerte und mich aus dem Ort die Straße hoch Richtung Waldrand orientierte. Kurz vor dem Waldrand traf ich zwei Wanderer wie ich

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mit großen schweren Rucksäcken und ich fragte sie ob Sie den Querweg laufen würden. Sie bejahten und wir kamen so ein wenig ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass die zwei aus der Nähe von Karlsruhe waren und in Freiburg auf den Weg gestartet sind. Es war nett endlich mal mit „Gleichgesinnten“ etwas zu plaudern. Nach einigen Minuten trennten wir uns wieder und ich fand auch bald darauf ein schönes Plätzchen im Wald für mein Nachtlager.

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Großes Abendessen gab es nicht – ein Schokoriegel, ein paar Nüsse und Minisalami waren das Nachtmenü. Als die Hitze endlich nachließ konnte ich wohl einschlafen, aber wie schon gehabt, alle 2 Stunden ungefähr musste die Luftmatratze wieder aufgeblasen werden, obwohl ich mir extra ein weiches Fleckchen ausgesucht und versucht habe alle Tannenzapfen oder sonstige Unebenheiten vorher zu entfernen.

29 km hatte ich heute geschafft. Eine gute Leistung finde ich bei diesen Temperaturen.

 

Tag 2 Langenrain – Singen am Hohentwiel

Etwa um 5:30 Uhr wurde ich wach. Bis ich meine sieben Sachen zusammengepackt hatte zeigte die Uhr 6:38. Rucksack geschultert und los ging es. Das Gras war noch feucht vom Tau, die Sonne blitzte durch die Baumwipfel. Einige hundert Meter weiter hörte ich das Geräusch einer Maschine, eines Fahrzeugs? Genau konnte ich es nicht ausmachen. Mein Waldweg ging plötzlich über in einen gepflegten Fußweg mit feinem Schotterbelag. Die Rasenfläche rechts und links sah aus wie auf einem Golfplatz, und da sah ich auch schon den „Geräuscheverursacher“ Es war ein Mann, der auf einem großen Rasenmäher sitzend, den Rasen auf dem nächsten Grün stutzte. Wie ich einige Minuten später feststellen sollte, führte mein Querweg durch die Golfanlage des Konstanzer Golfclubs.

Mittlerweile war ich 21,5 km seit meinem Start in Konstanz gelaufen. Vom Golfplatz führte der Weg jetzt weiter zum Mindelsee. Nach 6 km fand ich oberhalb des Sees eine Sitzbank, wo ich eine Pause einlegte und weil sich so langsam bei mir ein Hungergefühl entwickelt hatte, warf ich meinen Gaskocher an, erhitzte das Wasser und kochte mir eine Portion Instant-Nudeln. Die Sättigung und der herrliche Ausblick an diesem sonnigen Tag versetzt mich in eine wohltuende Stimmung, sodass ich nach der Pause frohen Mutes meinen Weg fortsetzte. Es waren von hier noch 20 km bis Singen.

Vorher jedoch gab es noch einige Herausforderungen für mich, die mich so langsam daran gewöhnen sollten, den Weg nicht zu leicht zu nehmen.
In einem der nächsten Orte, es war glaube ich Stahringen, gab es an der Hauptstraße einen Brunnen wo ich meine 2 Flaschen mit frischem Wasser auffüllen konnte. 2 Liter frisches Wasser sind gut, aber auch 2 kg schwer. Und kurz nach dem Brunnen begann der steile Anstieg auf die Burg Homburg. Der Anstieg war zwar größtenteils im Schatten, aber die Temperaturen waren schon ziemlich in die Höhe gestiegen und es kostete mich viel Schweiß oben auf dem Aussichtspunkt der Burg endlich den genialen Rundblick genießen zu können.

Nachdem ich dort oben, mir ein paar Minuten den kühlen Wind um die Ohren hab wehen lassen, stieg ich wieder von meinem Aussichtspunkt herunter und holte meinen Rucksack,  den ich am Fuß der Treppe hatte liegen lassen um meinen Weg fort zu setzen.

Der Weg führte nach der Burg vorbei an ein paar Bauernhäusern und wurde dann zu einem asphaltierten Fahrweg dem ich nun folgen musste.

Mir fiel ein, dass heute mein Schwager Geburtstag hatte. Ein Blick auf das Display meines Smartphones zeigte mir, dass ich gerade Empfang hatte und so konnte ich meine Geburtstagsgrüße loswerden und gleichzeitig der Familie zuhause signalisieren, dass bei mir alles ok ist. Dann ging der Asphalt-Hatsch weiter bis nach Steißlingen.

Die Sonnenschirme und die gedeckten Tische darunter beim Gasthaus Lamm überzeugten mich, dass es jetzt Zeit wäre, für ein Cola und ein Weizenbier. Der Blick auf die Teller der Tischnachbarn verstärkt sofort mein Hungergefühl um das 3-fache und ich brauchte gar nicht lange in die Speisekarte schauen, um zu wissen, was ich zum Essen bestellen sollte. Nach „Schniposa“ stand mir sofort der Sinn. Für die, die dieses Gericht nicht kennen, SchniPoSa = Schnitzel, Pommes und Salat.

Nachdem ich noch vom Chef des Hauses ein Dessert spendiert bekommen hatte, beglich ich meine Zechschuld, ließ mir noch eine Visitenkarte des Gasthauses geben und machte mich wieder auf den Weg weiter Richtung Singen.

Kaum war ich in der Nähe von Singen, gelangte der Straßenlärm wieder an meine Ohren. 3 oder 4 km vor Singen musste ich die B 33 unterqueren und war froh danach wieder in den ruhigeren Wald eintauchen zu können.
Im Großen Tannenwald, kurz bevor der Weg den Stadtrand von Singen erreichte, fand ich abseits vom Weg einen Platz um dort meine Nacht zu verbringen.

Es folgte das immer gleiche Ritual des Zeltaufbaus und Nachtlagerbereitung. Doch diese kommende Nacht sollte nicht so harmonisch verlaufen.

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Es dauerte ziemlich lange, bis ich nach meinen Routineaufgaben endlich zur Ruhe kam. Denn ich hatte mir zwar einen Lagerplatz relativ nahe zur Stadt Singen ausgesucht, aber leider auch genau zwischen zwei Einfallstraßen in die Stadt und eine davon war sogar eine Bundesstraße die B 34. Das bescherte mir auch noch in der Nacht Fahrzeuglärm der ständig laut und wieder leiser wurde. Gut – dagegen hatte ich ja mein Hausmittel. Meine Ohrstöpsel sind immer griffbereit in einer Seitenablage meines Zeltes deponiert und heute brauchte ich sie auf jeden Fall.
Dann bin ich zwar endlich eingeschlafen, wurde aber mitten in der Nacht wach. Was mich geweckt hatte war mir gar nicht gleich klar. Erst als ich mich suchend umdrehen wollte, bemerkte ich dass ich auf dem harten Waldboden lag und Wurzeln spürte die vorher nicht da waren. Dann erst nahm ich wahr, dass die Luft aus meiner Luftmatratze entwichen war.
Ich wälzte mich von der Luftmatratze und begann sie wieder aufzublasen. Dann war alles wieder gut und ich schlief wieder ein. Aber – keine 2 Stunden später wurde ich wieder wach – und dasselbe Dilemma war passiert. Ich realisierte, dass ich ein Loch, zumindest ein winziges Leck in meiner Schlafunterlage hatte. Und – ich hab auch gleich gewusst, dass ich kein Reparaturkit dabei habe.

So begann jetzt die Grübelei, wie ich das Problem lösen könnte. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. So machte ich mir im Kopf den Plan, morgens zur Geschäfts-Öffnungszeit in Singen einzumarschieren, ein Sportgeschäft zu suchen und dort eine neue, wenn möglich bessere und – noch besser – eine leichtere Luftmatratze zu kaufen. Die Defekte wollte ich mit der Post nach Hause schicken. So war der Plan. Da ich in der Nähe einer Stadt war und auch Mobilfunknetz erreichbar war, aktivierte ich meinen Datenzugang und suchte im Internet bei Google ein Sportgeschäft, um die Öffnungszeiten feststellen zu können. Aus zwei Sportgeschäften wählte ich mir eines aus, stellte fest, dass es um 9 Uhr morgens öffnet und wo ich es in der Stadt finden konnte, fand ich auch heraus. Es hatte sogar den Vorteil, dass ich nicht weit von meinem Weg abweichen musste.

Nachdem dies alles geklärt war, konnte ich wieder an Weiterschlafen denken, nicht ohne vorher nochmal die Luftmatratze aufzublasen, die schon wieder etwas schwächelte. Ich musst am Morgen auch nicht so früh aufstehen, weil ich ja schon kurz vor der Stadt war und nicht lange brauchte ins Zentrum zu kommen.

Also döste ich noch eine Weile weg, bis dann die Nacht endgültig vorbei war.

Tag 1 Konstanz – Langenrain

Die Fahrt mit dem Regionalzug von Karlsruhe nach Konstanz – der Schwarzwaldbahn – dauerte etwas über 3 Stunden. Es war eine gemütliche Bahnfahrt. Das Wetter und die Aussicht aus dem Fenster war gut, die Zugbelegung nicht besonders stark und ich konnte es mir mit meinem großen Rucksack gemütlich machen. Gemächlich zogen die verschiedenen Landschaften nach und nach an mir vorbei. Und gegen Ende der Fahrt waren immer mehr Anzeichen, dass es zum Bodensee nicht mehr weit sein kann, zu erkennen.

Um 13:16 fuhr mein Zug im Bahnhof in Konstanz ein. Schuhe wieder enger gebunden, Rucksack geschultert und Hut aufgesetzt marschierte ich aus dem Bahnhof heraus und wurde vom lauten Verkehrslärm vor dem Bahnhof empfangen.
Ich orientiert mich kurz und lenkte meine Schritte Richtung Hafen. Schließlich wollte ich bevor ich gen Schwarzwald starte, wenigstens kurz einen Blick auf das „Schwäbische Meer“ geworfen haben. Die übergroße Imperia machte mir die Orientierung leicht, weil ich vor noch nicht allzu langer Zeit schon mal ihr zu Füßen stand.

Nun fotografierte ich die ersten Fotos, weil ich mir vorgenommen hatte, meine Querweg-Wanderung wieder wie die anderen Fernwanderungen auch in YouTube auf meinem Kanal zu dokumentieren.

Von der Imperia verabschiedete ich mich um wieder Richtung Konzil zurück zu laufen. Dort in der Nähe stand das erste Hinweisschild zu meinem Querweg und von nun an sollte die weiß-rote Raute auf gelbem Grund mein Wegzeichen und Richtungsgeber sein.

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Also – START.

Zuerst ging es entlang der Hauptstraße, über eine große Brücke und dann zog sich der Weg langsam aus der Stadt vorbei an der Universität Richtung Natur und Wald. Der Wettergott war mir hold und so hatte sich meine Stimmung nach diesem etwas missglückten Start mit den Anschlussproblemen wieder zusehends gebessert. Jetzt wollte ich mich auf meinen Weg konzentrieren.

Wie immer verließ ich mich nicht allein auf die Wegzeichen sondern ich startete wie gewohnt meine Navigations-App auf dem Smartphon und konnte so von Zeit zu Zeit kontrollieren, ob ich noch in der Spur war. Dass das schon Sinn macht, zeigte sich noch in der Stadt selber, wo man durch die Vielzahl der Ampeln, Straßenlaternen, Verkehrsschilder und sonstigen Dinge, die den Blick ablenken, nicht immer auf Anhieb die winzige Raute entdecken kann. Ein Blick auf das Navi zeigt einem sofort ob man richtig läuft oder ob man irgendwo ein Schild verpasst hat.

Es waren keine großen Umwege die ich zu laufen hatte, was übrigens für den ganze Weg galt. Manchmal hatte ich sogar durch das Navi den Vorteil zu erkennen, wo ich manchmal ausweichen oder einen alternativen Weg finden konnte, wie es zum Beispiel später noch auf der Strecke notwendig war.

Langsam kam ich raus aus der Stadt und dem Lärm. Nach der Universität erreichte ich den Erlebniswald Mainau, da endlich hatte mich die geliebte Ruhe in der Natur wieder erreicht. Jetzt begann der eigentliche Spaß und was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, die heißen Tage.

Von nun an ging es bergan auf den Bodanrück. Dort hatte ich bei einer kleinen Rast an einer Bank den ersten fernen Blick auf den Bodensee.

Mein Weg und die weiß-rote Raute führte mich nun über Litzelhausen, Wittmoos, Richtung Marienschlucht.

Ich wusste von dem Erdrutsch der vor einiger Zeit in der Marienschlucht Wege verschüttet hatte und war nicht überrascht auf Absperrungen zu treffen, die unmissverständlich klar machten, dass es gefährlich sei, trotzdem in die Schlucht zu steigen. Ich folgte daher den ausgeschilderten Umleitungen und bis kurz vor Langenrain.

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Vorbei an einem Friedwald mit dem Namen Waldruh St. Katharinen begann ich mir einen Lagerplatz zu suchen und baute dann mein Zelt für die Nacht an einem geschützten Platz auf.

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Ich organisierte meinen Schlafplatz und breitete alles wie gewohnt aus, sodass ich in der Nacht nicht lange nach den Utensilien suchen musste, wenn ich sie brauchte.
Ich schrieb noch einige Zeilen in mein Notizbuch, nahm noch eine Vespersalami und noch ein übriges Stück Brot zu mir bevor ich mich in meinen Schlafsack mummelte und müde endlich zur Ruhe kam.

Die Nacht verlief ruhig bis auf ein oder einige Rehe die laut durch die Nacht schrieen oder sagt man bellten. So hörte sich das eher an.

Anreise nach Konstanz

Für den 23.5. hatte ich also meine Fahrkarte im Internet gelöst und mir den Fahrplan ausgedruckt.  Um 8.03 Uhr sollte es am Bahnhof in Birkenfeld losgehen. 4 Minuten Umsteigzeit für den Bahnhof Pforzheim sollten reichen um in den Regionalzug nach Karlsruhe zu wechseln. Ich marschierte also rechtzeitig zuhause los um in knapp 10 Minuten zum Bahnhof in Birkenfeld zu kommen. Um 8:03 Uhr war natürlich noch keine S-Bahn da. Es dauerte bis 8:07 bis der Zug in Birkenfeld startete. Da beschlich mich schon das Gefühl, dass mein Umstieg in Pforzheim nicht klappen würde. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Es könnte die Zeit ja bei den unplanmäßigen Haltestellen wieder aufgeholt werden. Aber nein – jede unplanmäßige Haltestelle wurde bedient und ich sah meinen Regionalzug im Hauptbahnhof nicht mal mehr wegfahren. Er war schon einige Zeit unterwegs. Also Plan B musste her. Plan B lautete mit der S-Bahn nach Karlsruhe-Durlach und von dort meinen Zug in Karlsruhe Hbf erreichen. Aber an diesem Tag lief einfach nichts so wie ich das im Sinn hatte. Die S-Bahn hielt natürlich in jedem Bahnhof zwischen Pforzheim und Durlach so dass ich dort den  Anschluss zum Hauptbahnhof auch nicht bekam und schließlich meine Hauptverbindung Karlsruhe – Konstanz um wieder 4 Minuten verpasste. Verhext! Also blieb mir nichts anderes übrig als mich 1 Stunde im und um den Bahnhof in Karlsruhe herum zu treiben um dann endlich um 10.07 Uhr mit der Schwarzwaldbahn nach Konstanz zu starten.

Rucksack packen

Um den 20.5. hatte ich das Gefühl, dass es bald losgehen würde. Also begann ich meinen Rucksack hervor zu kramen und mit meiner Packliste, die ich schon für frühere Wege angelegt hatte, alle Dinge zusammen zu tragen, die dort aufgeführt wurden.
Nachdem sich ein ordentlicher Stapel angesammelt hatte, versuchte ich mich an mein Organisationssystem meiner letzten Wanderung zu erinnern und den Rucksack dementsprechend zu befüllen. Einige Änderungen der Packliste musste ich noch durchführen und so änderten sich natürlich auch Teile der Ausrüstung die in den Rucksack kommen sollten. Aber nach einiger Zeit und ein paar mal aus- und wieder einpacken, war der Rucksack komplett bis auf 2 Liter Wasser und das Essen das ich mitnehmen wollte. Nun war ich also vorbereitet. Der Tag der Abreise zum Startpunkt konnte kommen.